Arbeitsansatz & Forschungsstandard
Sorgfalt
vor Ehrgeiz.
Forschung, an der andere weiterarbeiten können: Ein prüfbarer Stand verbindet die Frage mit Quellen, Annahmen, Rechenwegen und begründeten Grenzen.
Arbeitsstandard · Entwurf
01 / Arbeitsansatz
Die Übergabe gehört zur wissenschaftlichen Arbeit.
Wir wollen eine begrenzte Forschungsfrage in ein Verfahren übersetzen, das eine fachlich qualifizierte, an der Erstellung unbeteiligte Gruppe nachvollziehen kann. Dazu gehören Annahmen, Code samt Umgebung und Versionen, Datenherkunft und Nutzungsrechte sowie ein vorab bestimmter Prüfmaßstab.
Ein möglicher erster Erfolg wäre die unabhängige Wiederholung eines Referenzfalls und einer vereinbarten Variation. Dieser Übergabetest steht aus. Wenn ein Stand nur mit undokumentiertem Wissen wiederholt werden kann, muss das Verfahren überarbeitet werden.
02 / Prozess
Jeder Schritt muss einen prüfbaren Stand hinterlassen.
Frage begrenzen
Begriffe, Geltungsbereich, Vergleich und mögliche Gegenbefunde festlegen.
Quellen und Annahmen sichern
Originalquellen, Konventionen und Rechte abgleichen. Wissensstand, Hypothese und offene Frage unterscheiden.
Verfahren dokumentieren
Herleitungen, Code, Umgebung, Eingaben, Rohdaten und Auswertung mit Fehlergrenzen festhalten.
Unabhängig gegenprüfen
Andere Rechenwege, Referenzfälle und menschliche Fachkritik einbeziehen. Ein zweites Sprachmodell allein ist keine unabhängige Validierung.
Kritik und Revision erhalten
Abweichungen untersuchen, Entscheidungen begründen und frühere Fassungen samt Korrekturen nachvollziehbar halten. Negative Befunde gehören dazu.
03 / Evidenz
Arbeitsentwurf ≠ Forschungsergebnis.
- Arbeitsentwurf
- Eine vorgeschlagene Frage oder Vorgehensweise. Durchführung und Ergebnis sind offen.
- Reproduzierter Referenzfall
- Eine bekannte Aussage wurde unter benannten Bedingungen nachgerechnet. Daraus folgt keine wissenschaftliche Neuheit.
- Vorläufiger Befund
- Eine dokumentierte Beobachtung innerhalb eines bestimmten Geltungsbereichs. Unabhängige Prüfung steht noch aus.
- Belastbarer Befund
- Nachvollziehbare Begründung, geeignete Fehleranalyse und unabhängige fachliche Prüfung stimmen für den benannten Geltungsbereich überein. Auch dann bleibt eine Revision möglich.
In der Physik zählen analytische Kontrollen und numerische Konvergenz; bei medizinischen Modellen geeignete externe Validierung; in der Philosophie klare Prämissen und der Umgang mit den stärksten Einwänden. Nachnutzbarkeit und wissenschaftliche Gültigkeit werden getrennt geprüft.
Aktueller Stand: eigene Forschungsergebnisse und Publikationen liegen nicht vor. CL–GR–001 ist ein Projektentwurf.
04 / Grundlagen
Etablierte Prinzipien, ein eigener Arbeitsentwurf.
Ausgewählte externe Literatur. Eigene Kurzzusammenfassungen zur Einordnung der geplanten Fragen; keine systematische Übersicht und keine Forschungsergebnisse von Coherence Labs.
Mark D. Wilkinson; Michel Dumontier; IJsbrand Jan Aalbersberg et al. (2016). The FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship. Scientific Data 3, 160018. DOI: 10.1038/sdata.2016.18.
Die FAIR-Prinzipien beschreiben Auffindbarkeit, Zugänglichkeit, Interoperabilität und Wiederverwendbarkeit von Forschungsdaten. Sie strukturieren die Nachnutzung, bestätigen aber nicht die wissenschaftliche Richtigkeit eines Ergebnisses.
Michelle Barker; Neil P. Chue Hong; Daniel S. Katz et al. (2022). Introducing the FAIR Principles for research software. Scientific Data 9, 622. DOI: 10.1038/s41597-022-01710-x.
Der Beitrag überträgt Leitprinzipien der Nachnutzung auf Forschungssoftware und berücksichtigt dabei deren besondere Eigenschaften. Daraus leiten wir Anforderungen an dokumentierte Versionen, Zugänge und Verwendung ab.